Versagen 2.0 - DSL in der bayerischen Landeshauptstadt auf dem Niveau von vor 10 Jahren.

vor 8 Jahren

Ich wohne in der bayerischen Landeshauptstadt. In München. In einem Haus, das im November 2016 fertiggestellt wurde. Nähe der Messestadt. In einem boomenden Stadtteil, in dem viel gebaut wird. 

 

Die Telekom als wohl größter Dienstleister im Bereich Telekommunikation bindet Kunden über lange Laufzeiten und berechnet Premium-Preise. Gerade die hohen Preise führen zu einer gesteigerten Erwartungshaltung. Hier versagt die Telekom leider vollständig und da gibt es auch nichts mehr, was man beschönigend anführen könnte oder was sich diplomatisch formulieren ließe.

 

An meinem Standort gibt es von der Telekom für sagenhafte 34,95 EUR im Monat DSL wie vor 10 Jahren. Gerade einmal mit 16 MBit im Downstream. Das mag zwar Luxus gegenüber dem sein, was die Telekom einigen Kunden in weniger dicht besiedelten Gebieten anbieten kann oder will - es macht die Tatsachen aber nicht besser. Auch vollmundige Versprechen bezüglich einer (fast) flächendeckenden Netzabdeckung mit 50 MBit irgendwann in der Zukunft helfen hier nicht - auch vor dem Hintergrund, das 50 MBit, wenn sie denn irgendwann vielen zur Verfügung stehen, schon wieder veraltet und zu langsam für die steigenden Ansprüche und Notwendigen einer digital vernetzten Gesellschaft sein werden.

Deutschland ist ein Entwicklungsland, wenn es um digitale Infrastruktur und Netzausbau geht. Das ist umso weniger nachvollziehbar, als die Preise, die hierzulande für zum Teil lächerliche Gegenleistungen verlangt werden, im internationalen Maßstab viel zu hoch sind. So hoch, das man zügigen, konsequenten und vor allem vorausschauenden Ausbau erwarten und verlangen darf.

Ich hatte lange Zeit einen DSL Anschluss bei der Telekom. Ich habe ihn irgendwann gekündigt, weil die Leistung nicht dem Preis entsprach - vor allem, weil die verfügbaren Bandbreiten (damals noch in Laim) zu gering waren. Vor kurzem habe ich auch meinen Mobilfunkvertrag gekündigt, weil der Preis für die gebotene Leistung viel zu hoch ist - da die Telekom Kunden über Laufzeit und nicht über Service und Leistung bindet, habe ich noch bis 2019 das Vergnügen dafür zu bezahlen. Mein Pech und das Resultat einer Fehlentscheidung.

Würde die Telekom Leistung anbieten, die dem Stand des Jahres 2017 entspräche und die eine Zukunftsfähigkeit über die Dauer der Laufzeiten erwarten ließe, hätte die Kundenrückgewinnung, die sich möglicherweise irgendwann über mich hermachen wird, eine geringe Chanche, mich zu überzeugen. Mit 16 MBit DSL für 34,95 EUR und 1 GByte Hi-Speed-Traffic via LTE für fast 40 EUR wird die Telekom jedoch vollständig chancenlos sein. 

 

Lieber ärgere ich mich über die zeitweise schwankenden Bandbreiten und wochenedlichen Drop-Outs des Kabelnetzanbieters und freue mich ansonsten über zeitgemäße Bandbreiten für den Zugriff auf das Internet. Ebenso buche ich mich gerne in ein "volleres" LTE -Netz ein, wenn das inkludierte Hi-Speed-Volumen entsprechend höher ist: Schon alleine, weil es auf einem mobilen Gerät egal ist, ob man 10 MBit, 50 MBit oder 100 MBit bekommt. Stabile 10 MBit sind mir lieber als hypothetische 300 MBit. 6 GByte HiSpeed Traffic für knapp 42 EUR sind besser als 1 GByte für rund 40 EUR.

Da Service in Deutschland ohnehin nicht zu erwarten ist, spielt es dann auch keine Rolle mehr, wen man wählt. Auch hinsichtlich der Art der Kundenbindung - nämlich über Laufzeiten - spielt es keine Rolle. 

Ich bin bestürzt und neige zum Fremdschämen angesichts der Faktenlage. Wenn es der Telekom bis 2017 noch nicht gelungen ist, wenigstens Neubauten eine zeitgemäße Bandbreite anzubieten, selbst in den Hauptstädten nur DSL wie vor 10 Jahren anbieten kann, dann kann man den für den Netzausbau Verantworlichen bei der Telekom leider nur vollständiges Versagen attestieren.

Breitbandinternet ist nicht nur für die gestiegenen Anforderungen privater Haushalte, die durch Streaming, VoIP, Videochats, Online-Spiele etc. bedingt sind, wichtig. Es ist vor allem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Wettbewerbsvorteil. Aus diesem Betrachtungswinkel ist die Telekom - bedingt durch ihr Versagen beim Netzausbau - obendrein eine Innovationsbremse und eine Behinderung im Hinblick auf die Schaffung weiterer Wettbewerbsvorteile für die Wirtschaftsstandort Deutschland.

All das zusammen bestärkt mich in meinem Entschluss - da ich als Privatperson kein anderes "Abstimmungswerkzeug" zur Verfügung habe - der Telekom von meiner Seite aus den Geldhahn zuzudrehen. Denn offenbar führen die hohen Preise nicht zu höherer Leistung - sondern ganz im Gegenteil zu - im Vergleich mit dem Wettbewerb - schwacher Leistung, was das Preis-/Leistungsverhältnis einfach nur erbärmlich wirken lässt.

Gerne darf die Telekom bei mir wieder anklopfen, wenn sie mir 100 MBit an meinem Anschluss anbieten kann. Bis dahin kann ich bei jedem Wald und Wiesen-Anbieter die gleiche Leistung, die die Telekom anbieten will oder kann, für deutlich(!) weniger Geld bekommen. Es gibt schlicht keinen Mehrwert, der den Aufpreis für Telekom-Produkte rechtfertigt.

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